Es würde auf den ersten Blick niemanden überraschen, wenn die Corona-Krise zu dramatischen Mietpreiseinbrüchen für Gewerbeimmobilien geführt hätte. Doch ist dieser so naheliegende Verdacht begründet und wie könnte die langfristige Entwicklung aussehen?

Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise bislang auf den Markt für Gewerbeimmobilien?

Eine Antwort auf diese Frage gibt der Gewerbeimmobilienindex (GIMX), dessen Ergebnisse auf der Auswertung von Online-Inseraten beruhen. Daher kann der Index keine Aussage dazu treffen, ob die Eigentümer größere Preisabschläge gewähren mussten oder nicht.

Anders als man vielleicht erwarten könnte, hat die massive Ausweitung der Heimarbeit zu keiner deutlichen Senkung der Angebotsmieten für Büroimmobilien geführt. Im Gegenteil, denn an jedem der zwölf führenden deutschen Wirtschaftsstandorte sind die Angebotsmieten seit dem Ausbruch der Pandemie weiter gestiegen. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch mit Blick auf die Steigerung, die im ersten Halbjahr 2020 zwischen 2,7 (Dortmund) und 9,8 Prozent (Dresden) betragen hat. Im zweiten Halbjahr 2020 konnten die Angebotsmieten weiter leicht zulegen. Die einzige Ausnahme bildet der Standort München mit einem leichten Minus von 0,6 Prozent.

Der Einzelhandel gibt ein gemischteres Bild ab. Verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2019 lagen die Angebotsmieten im zweiten Halbjahr 2020 an der Hälfte der Standorte teilweise deutlich höher. Es kam jedoch auch zu großen Abschlägen, am stärksten in Leipzig und Dortmund mit minus acht bzw. minus neun Prozent.

Bei diesen Zahlen sollte jedoch beachtet werden, dass der Mietmarkt generell eher träge ist. Es kann eine ganze Zeit lang dauern, bis sich langfristige Effekte in den Mietpreisen niederschlagen. Vergleichsweise schnell und damit viel gravierender war der Einschnitt durch die Pandemie, wenn man die Investitionen in neue Gewerbeimmobilien betrachtet, die im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent eingebrochen waren.

Letzte Klarheit gibt es noch nicht darüber, warum die Mietpreise für Gewerbeimmobilien durch die Folgen der Pandemie-Bekämpfung kurzfristig kaum in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Ein Hauptgrund dürften die staatlichen Unterstützungen wie etwa das Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen sein, dank derer viele Unternehmen bisher um eine Insolvenz herumgekommen sind. Als weiterer stützender Grund kommt ins Spiel, dass in Unternehmen und Geschäften Abstandsgebote eingehalten werden müssen. Folglich kommen Betriebe und Läden nicht umhin, für ihre Mitarbeiter bzw. Kunden viel Fläche bereitzuhalten. Dies gilt selbst dann, wenn ein Großteil der Arbeitnehmer im Homeoffice arbeitet oder Kunden auf Besuche vor Ort weitestgehend verzichten (müssen).

Welche langfristigen Auswirkungen sind denkbar?

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass sich das Arbeiten von zu Hause im großen Stil durchgesetzt hat. Auch nach der Pandemie dürften es viele Arbeitnehmer vorziehen, daheim zu arbeiten, wodurch sich der Bedarf an klassischen Büros reduzieren könnte. Das ist jedoch nicht ausgemacht, da es gut möglich ist, dass sich der strukturelle Trend zu immer mehr Schreibtischtätigkeiten auch in den nächsten Jahren fortsetzt. Sehr wahrscheinlich ist, dass das Online-Shopping zu einem noch stärkeren Faktor wird, der das Gesicht der Innenstädte dauerhaft verändert. Dadurch muss der Markt für Gewerbeimmobilien jedoch nicht zwangsläufig leiden. Im Laufe der Corona-Krise konnten sich insbesondere Logistikimmobilien gut behaupten. Eine durch die zunehmende Digitalisierung stärkere Flächennachfrage spricht für kontinuierlich steigende Mietpreise in diesem Sektor.

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